Sprache und Musik – zwei Welten, die Giulio Alvise Caselli vereinen wollte. Schon früh faszinierte ihn die Kraft der Worte ebenso wie die der Töne. Er schloss ein Studium der Germanistik und Sprachwissenschaft an den Universitäten Ferrara und Regensburg mit summa cum laude ab und sammelte Erfahrungen im journalistischen Bereich, bevor er sich ganz dem Gesang widmete. Diese Vielseitigkeit prägt seine künstlerische Arbeit bis heute.
Mit seiner facettenreichen Stimme und Bühnenpräsenz hat er sich gleichermaßen der Oper, dem Konzert und dem Lied gewidmet. Ob als edler Don Giovanni, poetischer Pelléas oder temperamentvoller Figaro – seine Interpretationen verbinden stilistische Präzision mit emotionaler Tiefe.
Im norditalienischen Ferrara geboren, begann er seine musikalische Ausbildung früh auf der Geige. Ersten Gesangsunterricht erhielt er von seiner Mutter, der Sopranistin Maria Gabriella Munari, später an der Hochschule für Musik und Theater München. Dort erhielt er unter Wolfgang Brendel und Sylvia Greenberg das künstlerische Diplom und spezialisierte sich im Liedgesang bei Helmut Deutsch, besuchte außerdem Meisterkurse u. a. bei Mirella Freni und Thomas Hampson.
Sein Bühnendebüt gab er als Figaro in Rossinis Il barbiere di Siviglia am Theater Dortmund, wo er von 2006 bis 2008 Ensemblemitglied war. Es folgten mehrjährige Festengagements am Linzer Landestheater, am Staatstheater Augsburg und am Staatstheater Meiningen. Dort verkörperte er wesentliche Partien seines Fachs, darunter den Grafen Almaviva (Le nozze di Figaro), die Titelrolle in Don Giovanni, Dr. Falke (Die Fledermaus), Guglielmo (Così fan tutte), Frédéric (Lakmé) und Biterolf (Tannhäuser). Besondere Beachtung fand seine Interpretation des Pelléas in Debussys Pelléas et Mélisande.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit lag auf der modernen Musik, in der er in zahlreichen Produktionen und Uraufführungen mitwirkte, u.a. als Algerier in Luigi Nonos Intolleranza 1960 und als Hauptrolle in Tahrir von Hossam Mahmoud. Seine Darstellung des Hans Scholl in Udo Zimmermanns Weiße Rose am Theater Augsburg fand große Resonanz.
Für das Label Naxos übernahm er eine Hauptrolle in der Ersteinspielung von Simon Mayrs Oper Amore non soffre opposizioni.
Gastengagements führten ihn u. a. an die Theater von Aachen, Freiburg, Wuppertal, Hagen, Würzburg, Salzburg, Ferrara, Modena und Riga sowie an das Berliner Konzerthaus, an den Cantiere d’Arte di Montepulciano, an die Biennale Venedig und an das Daegu Opera House (Südkorea).
Er arbeitete mit Regisseuren wie Peter Konwitschny, Doris Dörrie, Jan Philipp Gloger und Þorleifur Örn Arnarsson und stand unter der musikalischen Leitung von Arthur Fagen, Dirk Kaftan, Roland Böer, Markus Poschner, Federico Maria Sardelli, Mirga Gražinytė-Tyla und Thomas Guggeis.
Regelmäßig gestaltet er auch Liederabende, in denen sich sprachliche und musikalische Ausdruckskraft verbinden, etwa die Schubert-Zyklen Die schöne Müllerin und Winterreise, Mahlers Lieder eines fahrenden Gesellen und die Lieder von Richard Strauss.
Seit seinem zwanzigsten Lebensjahr lebt er in Deutschland. Als leidenschaftlicher Barfußläufer sieht er in der unmittelbaren Verbindung zum Boden eine Parallele zur Kunst des Singens: beides erfordert Bewusstsein, Balance und Sensibilität.
Seine künstlerischen Erfahrungen gibt er seit einigen Jahren weiter: neben seiner Bühnentätigkeit ist er als Dozent für Gesang an der Musikpädagogischen Fakultät der Universität Augsburg sowie als Stimmbildner bei verschiedenen Institutionen tätig.